Fachoberschule (Abteilung 3)
Wirtschaftskompetenz und Allgemeinbildung
Das Fach Politikwissenschaft und Geschichte
Was kann und was soll das Fach PWG im Umfeld einer Ausbildung zur Fachhochschulreife leisten?
Die Erfahrung lehrt, dass viele der Schülerinnen und Schüler zwar Informationen beschaffen und speichern können, es für sie aber nicht so einfach ist, diese in Wissen zu transferieren, aus dem dann auch ein gewisses Maß an Bildung destilliert wird. Die Verwertbarkeit, d.h. Ökonomisierung der Bildung, steht allenthalben im Widerspruch zur Forderung nach einer neuen Wertedebatte. Die Schule muss dabei den Spagat zwischen einer zunehmend selbstgefälligeren politischen und religiösen Intoleranz einerseits und einer Wertebeliebigkeit andererseits überwinden.
Die Fülle der Themen im Rahmenplan bietet die Freiheit, durch Auswahl und Kombination bestimmter Themengebiete Historie und Gegenwart je nach Aktualität und Interesse der Schüler und Schülerinnen zu verbinden. Als Richtschnur sollte die Zielsetzung gelten, die Kritikfähigkeit von Schülerinnen und Schülern zu stärken und einen Widerstand gegen einfache Lösungen hervorzurufen.
Eine kritische Darstellung unserer Ideengeschichte kann dazu ebenso dienlich sein wie eine Hinterfragung der Wirtschaftstheorien auf ihre unausgesprochenen ideologischen Hintergründe.
Kritik und Selbstkritik dürfen dabei aber nicht zum Selbstzweck werden. Dadurch könnte sie zum unproduktiven Selbsthass einer ganzen Gesellschaft verkommen. Außerdem kann sehr schnell als weitere Folge eine völlige Wertebeliebigkeit das Resultat sein. Kritik verwandelt sich vom emanzipatorischen Instrument in ihr destruktives Gegenteil.
Was also ist zu tun?
Die Bedeutung von Demokratie, Pluralismus und Toleranz sind als ständig gefährdetes Erbe der Aufklärung zu erarbeiten. Die Abwehr von Anfeindungen aus der eigenen Gesellschaft wie auch die Zumutungen fremder Kulturen können als eine immerwährende Aufgabe vermittelt werden. Dieser Weg der kritischen Aufarbeitung kann somit der Selbstvergewisserung eigener Werte dienen. Im zweiten Schritt könnte die Anziehungskraft totalitärer Ideologien und fundamentalistischer Religionen mit ihren Verführungsmechanismen erarbeitet werden, dem die rational begründeten Werte der Aufklärung als gedankliche Leitplanken entgegengesetzt werden können.
Sollte es gelingen, auch nur einige Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, Kritik und Selbstkritik zu üben, ohne einer gedankenlosen Wertebeliebigkeit zu erliegen, Toleranz zu üben, ohne dass diese durch Kulturrelativismus erkauft worden ist, dann hätte das Fach PWG seine Aufgabe mehr als erfüllt.