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Ocelot mit Anabel: Maria Piwowarski besuchte die Buchhändlerklasse 2641 des OSZ Handel 1

Maria Piwowarski

Not just another bookstore" prangt in großen Lettern über der  Buchhandlung ocelot – und tatsächlich merkt man dem Laden in der Brunnenstraße im hippen Berlin-Mitte seinen besonderen Charme sofort an: Das dunkle, warme Holz der Regale, die stylischen Möbel und ein integriertes Café, in dem man sich beim brühwarmen Latte macchiato gleich ins frisch gekaufte Buch stürzen kann, haben ocelot über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt gemacht. Daher freute sich die Buchhändlerklasse 2641 sehr über den Besuch von Maria Piwowarski, die einst selbst am
OSZ Handel 1 ausgebildet wurde, seit 2012 für ocelot arbeitet und den Laden inzwischen sogar leitet.

 

 

Speziell ist allerdings nicht nur die Einrichtung ihres Ladens, sondern auch dessen Präsenz in den sozialen Medien: Einen Facebook-Account haben viele Buchhandlungen, fast 7300 Fans aber die wenigsten. Denn um die zu gewinnen und bei Laune zu halten, braucht es mehr als nur einen Post pro Monat, nämlich „mindestens drei pro Woche“, wie Piwowarski verriet. Das soziale Netzwerk findet sie „unglaublich wichtig“ und sieht in ihm einen Grund dafür, dass die Branche weiterlebt. Jeden Tag investiert sie einen Teil ihrer Arbeitszeit in den
 Facebook-Auftritt, beantwortet etwa in Raucherpausen User-Kommentare. Ihr wichtigster Rat an die künftigen Buchhändler: „Authentisch bleiben!“ Man dürfe sich in den Postings nicht verstellen, müsse stattdessen genauso ehrlich seine Begeisterung für Bücher äußern wie im persönlichen Kundengespräch – und auch dieselbe Sprache finden wie dort.

Authentizität ist eine der Säulen des sogenannten ARA-Prinzips, die beiden anderen lauten: Regelmäßigkeit und Aktualität. Je öfter man etwas postet – z. B. Buchpreis-News oder Fotos von Lesungen und Signierstunden –, desto besser sichtbar sind die Beiträge. Allerdings, so der Rat der Buchhändlerin, sollte man seine Posts besser nicht sponsern lassen, diese „Trickserei“ käme bei den Followern schlecht an.

Facebook sei besonders gut geeignet für schnelle Buchkritiken, erklärte Piwowarski weiter, zudem hält sie Bücher für „wahnsinnig fotogen“, was sie mit einigen ihrer eigenen Posts beweisen konnte. Verrisse hingegen würden auf Facebook gar nicht funktionieren, wohl aber Hintergrundgeschichten samt Fotos von den Mitarbeitern. Und ja: Cat Content sorgt auch bei ocelot für viele Likes, wie Piwowarski augenzwinkernd zugab.

Ihr Laden ist bei Instagram ebenfalls präsent, im Vergleich zu Facebook herrsche auf der Foto-Plattform eine ungleich freundlichere Atmosphäre. Um dort gefunden zu werden, sollte man die Hashtags nicht vergessen – und wie bei Facebook gelte auch hier das Motto: „Regelmäßig füttern!“

 

Das zweite Thema, das Maria Piwowarski im Gepäck hatte, waren Einkaufsgenossenschaften, allen voran eBuch mit seinem Bestellsystem Anabel. Hier seien alle Buchhandlungen gut aufgehoben, die kurzfristig Kapital binden wollen, so Piwowarsi, etwa kleine Läden oder Neugründungen. Wie das System konkret funktioniert? Anabel betreibt ein virtuelles Lager in Bad Hersfeld, teilnehmende Buchhandlungen ordern alle ihre Titel im Zuge eines Libri-Bestellvorgangs und die Bücher werden anschließend in den Kisten des Großhändlers mitgeliefert. Vorausgesetzt, man ist Libri-Kunde.

 

Ihre anfängliche Befürchtung, dass auf diese Weise das Sortiment „verschlampt“ und der Blick verloren geht für literarische Perlen, sei letztlich unbegründet gewesen, erzählte Piwowarski. „Ich bin jetzt erst recht auf Verlagsvertreter angewiesen“, sagte sie, „wir empfangen sogar mehr als vorher.“ Der Unterschied zu früher: Sie schaut nun erst in die Vorschauen, wenn die Vertreter vor ihr sitzen, und bestellt die interessanten Titel anschließend über Anabel. Insgesamt mache das fast 90 Prozent ihrer Bestellungen aus.

 

Hinter den Kulissen der Einkaufsgenossenschaft gebe es einen zentralen Einkäufer, so erklärte die Buchhändlerin weiter, der die Bestelllisten anschaut und anhand derer über die Mengen der Spitzentitel nachdenkt. Und wenn ein Titel mal nicht mehr im virtuellen Lager vorrätig ist, darf sich Anabel sogar am Libri-Regel bedienen – andersherum geht das übrigens nicht. Lohnen tut sich das System bei Bestellungen von bis zu drei Titeln, dann gibt es deutlich bessere Konditionen als bei den Grossisten. Piwowarskis Fazit fiel jedenfalls durchweg positiv aus: „Wir haben jetzt das literarischere Sortiment“, konstatierte sie, „und mehr unabhängige Verlage.“

 

Zum Abschluss ihres Besuchs ging die Buchhändlerin noch auf den Online-Shop Genialokal ein, der den vorherigen, „stylischen, aber eher unpraktischen“ Webshop von ocelot abgelöst habe. Auf der Plattform genialokal.de können sich Buchhandlungen eine eigene Unterseite erstellen, mit Fotos vom Laden, persönlichen Empfehlungen der Mitarbeiter und einem Veranstaltungskalender. Wer als Kunde bei Genialokal bis 14 Uhr ein Buch bestellt, kann es sich entweder nach Hause liefern lassen oder am nächsten Tag in der Buchhandlung seiner Wahl abholen. Rund 80 Prozent würden sich für die Abholung entscheiden, so Piwowarski, deshalb lohne sich das Portal unterm Strich für ocelot.

 

Am Ende des Besuchs rauchten die Köpfe der angehenden BuchhändlerInnen, so viel Neues hatten sie von Maria Piwowarski erfahren. Ermutigend waren ihre Berichte, ermutigend waren vor allem aber der spürbare Feuereifer und die Leidenschaft, die die ocelot-Dompteurin in ihren Beruf steckt.

 
23.11.2017 - Text und Foto: Kaspar Heinrich, Klasse 2641