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Gesicht zeigen!

Frau Leutheuser-Schnarrenberger mit Schülern vor Beginn der Diskussion
Frau Leutheuser-Schnarrenberger mit Schülern vor Beginn der Diskussion

Unter diesem Motto fand am UN-Tag gegen Rassismus ein Projekttag am OSZ Handel 1 statt. Dabei diskutierte die Justizministerin Frau Leutheusser-Schnarrenberger lebhaft mit den SchülerInnen über die Gefahren des Rechtsextremismus und unseren Möglichkeiten, mit ihm umzugehen.

 

Die „Störungsmelder-Schultour“ des Vereins „Gesicht zeigen“, die vor einigen Jahren von MTV-Moderatoren initiiert worden war, begann in diesem Jahr am OSZ Handel 1 mit zwei Klassen aus den Abteilungen 2 und 5. Das Thema Rassismus und Rechtsextremismus hat angesichts der 58 Morde, die von Rechtsextremen seit 1989 bundesweit verübt worden sind, und der 158 rechtsextremen Straftaten in Berlin 2011 leider bedrückende Aktualität. Bei der Beschäftigung mit den zehn Opfern der rechtsterroristischen NSU-Zelle wurde deutlich, dass die Angehörigen neben dem persönlichen Schmerz über den Verlust der Verwandten besonders unter der gegenüber anderen Deutschen ungleichen Behandlung, die in falschen Verdächtigungen deutlich wurde , gelitten haben.

Frau Leutheuser-Schnarrenberger im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern
Frau Leutheuser-Schnarrenberger im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern

 

Das stellte auch die Justizministerin in ihrem Eingangsstatement fest. "Das war schlimm, das jahrelang in die falsche Richtung ermittelt wurde. Viele Opfer wurden als Täter verdächtigt. Der fatale Begriff 'Döner-Morde' war herabsetzend und erniedrigend."

 

Im Gespräch mit den Schülern stellte sie kritisch die mangelhafte Kooperation zwischen den einzelnen Polizeibehörden dar und betonte die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen den 35 Landeskriminalämter und Verfassungsbehörden zu verbessern.

 

Die Justizministerin erläuterte die rechtliche Problematik des von vielen gewünschten NPD-Verbots. Das Bundesverfassungsgericht hatte bei dem letzten Verfahren bemängelt, dass bei der hohen Anzahl von V-Leuten in den Vorstandsgremien der NPD nicht sicher war, wer bei den Meinungsträgern der Partei V-Mann war oder nicht. Skandalös ist, dass der Staat über die Bezahlung der V-Männer und die Parteienfinanzierung eine verfassungsfeindliche Partei unterstützt. Die Schüler betonten in ihren Beiträgen die Wichtigkeit von Bildungsförderung und antirassistischer Aufklärung in Kitas und Schulen zur Vorbeugung. Sie erzählten von ihren Erfahrungen, die sie mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit und dem Ausgrenzen von Menschen, weil sie anders sind, gemacht haben. In ländlichen Regionen von Mecklenburg-Vorpommern und Bayern z.B. sei der alltägliche Rassismus viel ausgeprägter als in Berlin oder in einer Schule wie dem OSZ Handel, das sich als Schule ohne Rassismus versteht. Aber auch in Berlin sind antirassistische Initiativen wichtig und müssen gefördert werden. Ein Schüler berichtete von seinen positiven Erfahrungen mit der Spandauer Initiative "Mitternachtssport", die über die Ebene des Sports Berliner Jugendliche unterschiedlicher ethnischer Herkunft zusammenbringt.

 

Deutlich wurde bei den Redebeiträgen, dass Rechtspopulismus sich keineswegs auf wenige gewaltbereite junge Männer mit Springerstiefeln und Glatzköpfen beschränkt. Die Studien des Soziologen Wilhelm Heitmeyer über „Deutsche Zustände“ zeigen, dass die Ideologie der Ungleichwertigkeit in allen Gesellschaftsschichten und allen Altersstufen verbreitet ist.

 

Einig waren sich die Schüler, die Organisatoren des Projekttages von "Störungsmelder" und die Justizministerin, dass wir alle Verantwortung dafür tragen, dass sich dieses Gedankengut und das daraus resultierende Verhalten nicht weiter verbreiten. Das bedeutet z. B. auch, dass man in der Schule, bei der Arbeit, in der Bahn oder in der Kneipe bei einem fremdenfeindlichen, diskriminierenden Spruch reagiert und deutlich macht, was einem nicht gefällt und was man nicht zu tolerieren bereit ist.

 

Es geht um "zivilcouragiertes Verhalten", also darum, den Mund aufzumachen, wenn andere schweigen und wegschauen, sich für andere zu engagieren und anderen zu helfen, auch wenn man sie nicht kennt.
Kurz es geht darum, Gesicht zu zeigen.

Frau Leutheuser-Schnarrenberger mit Schülern vor dem Logo Gesicht zeigen!
Frau Leutheuser-Schnarrenberger mit Schülern vor dem Logo Gesicht zeigen!