Sie sind hier: Startseite > Besuch Bundespräsident Gauck > 

Bundespräsident Gauck besucht das OSZ Handel 1

Bundespräsident Gauck

Mit ganz unterschiedlichen Argumenten und Erfahrungen unterstrich der Bundespräsident die Wichtigkeit des Wählens für unsere Demokratie. Gespannt lauschten 500 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und Mitarbeiter/-innen des OSZ Handel 1 der spannenden Erzählung des Bundespräsidenten von seinen Erlebnissen in der DDR bei den Volkswahlen, die nur scheinbar demokratisch waren. Allein die Wahlkabine aufzusuchen, erforderte Mut und ein "Nein" zu den "Kandidaten der Nationalen Front" konnte gravierende Folgen haben. 50 Jahre alt musste Gauck werden, um erstmals 1990 bei der Volkskammerwahl das beglückende Gefühl zu haben, an einer freien Wahl teilnehmen und damit "ein wenig an der Gestaltung der politischen Zukunft mitwirken zu können.

Schulkoordinator Wieland Frasch, Bildungssenatorin Sandra Scheres, Bundespräsident Joachim Gauck und Schulleiter Klaus-Peter Scharke
Die Aula ist gefüllt
Bundespräseident Gauck im Gespräch

Geht wählen und mischt euch ein ...

Der Bundespräsident forderte die Schülerinnen und Schüler auf, Verantwortung zu übernehmen und die Freiheit zu nutzen. "Ich möchte für etwas leben, ich möchte etwas bewirken. Stellen Sie sich die Frage, wofür Sie wichtig sein wollen." Es reiche aber nicht, nur zu denken, sondern man muss auch handeln, z.B. als Schülersprecher, als Helfer in Notsituationen wie der Flutkatastrophe oder in sozialen Bewegungen. "Ein Bürger guckt nicht bloß zu, er mischt sich ein.

Fragen von Schülerinnen und Schüler an den Bundespräsidenten Gauck

Auf die Fragen der Schülerinnen und Schüler, die sich sorgfältig auf das Gespräch vorbereitet haben, geht Gauck ausführlich ein. Ob ihn die hohe Zahl der Nichtwähler, die bei der letzten Bundestagswahl bei 30 % lag, beunruhige, wollen sie wissen. Gauck stellt die unterschiedlichen Motive für die Wahlabstinenz dar, um dann die "Arroganz des bewussten Wahlboykotts, die Bequemlichkeit und die Sorglosigkeit, sich um eine so wichtige Frage wie die Wahl der Regierung nicht zu kümmern", heftig zu kritisieren.

 

 

Joachim Gauck spricht über die Wahl

Die Frage nach den nur schwer auszumachenden Unterschieden zwischen den Parteien greift Gauck auf und mahnt mehr Klarheit bei den Politikern an. "Wenn die Parteien austauschbar werden und ihre Identität verlieren, wird es problematisch." Auf die Feststellung der Schülerinnen und Schüler, dass die Parteien offensichtlich für junge Menschen immer weniger attraktiv werden, antwortet er mit einer Kritik an vielen Politikern. Diese werden durch die Beschäftigung mit hoch komplexen Zusammenhängen oft zu Spezialisten und versäumen es häufig, diese den Bürgern zu vermitteln und mit ihnen zu sprechen. "In den Gesprächen wächst das Vertrauen, wenn sich die Politiker verständlich und erkennbar machen." Diesem Anspruch hat der Bundespräsident bei seinem Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern am OSZ Handel 1 genügt.

Organisatoren des Gauck-Besuchs

In fast zwei Stunden antwortet Gauck auf die Schülerfragen nach dem Mindestlohn, der Inklusion in der Schule, dem Konflikt in Syrien, den Problemen beim Flughafen BER, auf das Wahlrecht für Migranten, auf die neuen Medien und die Gerechtigkeit durch Chancengleichheit, die ihm besonders am Herzen liegt.

Überzeugend wirkt er auf die Schülerinnen und Schüler, wenn er eingesteht, Fragen nicht beantworten zu können oder auf persönliche Fragen offen antwortet.

Eine Schülerin möchte wissen, ob er sich als Vorbild begreife, denn er sei ja schließlich Pfarrer gewesen sei und lebe jetzt in einer "wilden Ehe". Gauck begrüßt es, dass bei Irritationen über sein Verhalten nachgefragt wird. "Es ist meiner Frau und mir nicht gelungen, in einer dauerhaften Beziehung zu leben. Meine jetzige Beziehung ist kein Modell, kein Vorbild. Es wäre schöner, wenn es perfekt wäre. Aber es ist, wie es ist."

Der Bundespräsident Gauck bedankt sich bei den Schülern für das Gespräch

Als ein Schüler auf die NPD-Propaganda gegen das Flüchtlingsheim in Hellersdorf hinweist, wird der Bundespräsident wie an kaum einer anderen Stelle heftig und emotional.

"Ich finde die rechtsradikale Propaganda ekelig und widerwärtig. Irrige Meinungen müssen wir ertragen. Aber ich bin stolz auf die Bürger, die aus der Geschichte gelernt haben und die Demokratie verteidigen. Wir brauchen Bürger, die auf die Straße gehen und den Spinnern ihre Grenzen aufweisen. Dazu sind Sie aufgefordert!"


Der heftige Applaus zu diesem Appell zeigte, wie viel Sympathie der Bundespräsident bei den Schülerinnen und Schülern einer Schule fand, zu deren Schulprogramm es gehört, Schule ohne Rassismus zu sein.

Aber auch der Bundespräsident hat sich am OSZ Handel wohl gefühlt und sich bei den Schülerinnen und Schülern auf dem Podium für das Gespräch bedankt und sie zu seinem Sommerfest am darauf folgenden Tag eingeladen.

 

03.09.2013  Dirk Bruns, Fachleiter für Wirtschafts-und Sozialkunde
Fotos: Thomas Lingens, OSZ Handel 1