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Verlagsbesuch der Buchhandelsauszubildenden bei Suhrkamp am 26.02.2015

Klassisch, realistisch, fantastisch, emotional: einfach kriminell gut:
Unser Besuch bei Suhrkamp

 
Tatort: Suhrkamp Verlag, Berlin-Prenzlauer Berg, Pappelalle 78-79
Tatbeteiligte: 1. VerlagsmitarbeiterInnen
  • Herr Hörning, Lektor, Leiter Tb
  • Herr Griesinger, Key Accounter
  • Frau Knapitzsch, Herstellung
  • Herr Quirin, Rechte und Lizenzen
2. OSZ Handel 1
  • künftige BuchhändlerInnen des 1. und 2. Ausbildungsjahres
  • Frau Huß-Straach und Frau Bergholz (Fachlehrerinnen)
Tatmotiv: Wissensdurst und Bücherhunger, d.h. Suche nach fachkompetenten Informationen über
  • das tägliche Arbeitspensum von Lektoren>
  • die Betreuung von Großkunden
  • Rechte und Lizenzen im Verlagswesen
  • die Herstellung von Büchern

Tathergang/ Zeugenaussagen:

 

Entsprechend getroffener Vorabsprachen fanden wir uns nahezu pünktlich am Ort des Geschehens ein. Nur wenige Beteiligte mussten noch geortet bzw. telefonisch kontaktiert werden.

 

Den Innenhof zum Verlagshaus eilig überquerend, näherten wir uns über das Treppenhaus den Verlagsräumen im 4. Stock des ehrwürdigen Altbaus.

 

Gespannt bewegten wir uns durch lange Flure. Unsere neugierigen Blicke durch geöffnete Bürotüren trafen auf freundliches Staunen. Überall Geräusche verlegerischer Alltagsgeschäftigkeit: das leise Klacken beim Antippen von Computertastaturen oder das plötzliche Klingeln eines Telefons, Papierrascheln.

 

Und dann im Allerheiligsten – im Konferenzraum, dem Ort, an dem Buchgeschichte und - geschichten erstritten und geschrieben werden. Beim Betreten entstand der Eindruck, dass der ganze Raum von der impossanten Regalwand getragen wird, in der die Ergebnisse von Jahren erfolgreichen verlegerischen Schaffens eindrucksvoll präsentiert werden; ca. 17.000 bei Suhrkamp(/Insel) erschienene Titel.

 

Nachdem wir uns um den lang gestreckten Konferenztisch versammelt hatten, folgten die emotionalisierenden Berichte der VerlagsmitarbeiterInnen (s.o.) vom Leben, Lieben und Leiden im verlegerischen Alltag.

So erfuhren wir von Herrn Hörning, dass es recht unterschiedlich sei, wie viele Titel ein Lektor betreut. Bei besonders aufwändigen Werken können es mitunter nur drei oder vier im Jahr sein, bis hin zu ein oder zwei Titeln monatlich. Dazu kommen Taschenbuchübernahmen. Der Verlag wird etwa zur Hälfte durch die Backlist getragen, derzeit werden rund 30.000 Rechte bei Suhrkamp verwaltet (das entspricht ca. 6.000 bis 7.000 AutorInnen).

Der Lektor betonte, dass Suhrkamp seinen Anspruch lebe, AutorInnen, das heißt möglichst immer das Gesamtwerk zu verlegen. Das schaffe Raum für kreative Ausflüge in verschiedene literarische Gattungen.

AutorInnen, die er gerne verlegt, macht vor allem aus, dass sie sprachlich und formal interessant sind und dabei Neues wagen. Sie wollen immer mehr, sich immerzu verbessern, so Hörning. Wir erfuhren weiterhin, dass AutorInnen vom Verlag aufgegeben werden, komme nur sehr selten vor, vor allem aber dann, wenn diese aufgehört haben, sich zu entwickeln. Die Absatzzahlen seien für diese Entscheidung nicht ausschlaggebend, solange der Verlag vom Werk überzeugt sei.

Jeden Tag kommen im Verlagshaus etwa 30 bis 50 unangeforderte Manuskripte an. Die besten Chancen auf Veröffentlichung habe AutorInnen auf diesem Weg jedoch nicht. Das Beste sei über die Empfehlung durch andere AutorInnen an den Verlag heranzutreten. Zudem sei es von Vorteil die LektorInnen direkt anzuschreiben, statt den Verlag.

Als ein Beispiel hierfür wurde Jürgen Teipels Verschwende deine Jugend angeführt. Es sei bei 17 Verlagen (darunter auch Suhrkamp) abgelehnt worden, bevor eine persönliche Empfehlung des Autoren Thomas Meinecke Hörnings Aufmerksamkeit darauf lenkte.

Grundsätzlich sei wichtig: AgentInnen suchen, jemanden im Kulturbetrieb kennen und – vielleicht das Wichtigste – den richtigen Verlag finden, zu dessen Sortiment und Anspruch das Manuskript passt.

 

Verlagsprodukte wanderten durch unsere Hände. Bücher zum Anfassen, Blättern, Riechen. Wir erspürten die Unterschiede vielgestaltiger Einbände und von Papierqualitäten.   Eindrücke über Eindrücke.

 

Mit dem Gefühl von Leidenschaft für Literatur und Bücher verließen wir Suhrkamp nach fast zwei Stunden, in unseren Taschen Leseexemplare des Verlags.

 

Danke und Auf Wiedersehen!

MalenaPeters (2441), M. Bergholz