Sie sind hier: Startseite > Online-Redaktion > Gesicht zeigen > 

Gesicht zeigen – SOR in Aktion

Gesicht zeigen

Die Initiative „Gesicht zeigen“ machte unserer Schule das tolle Angebot, dass Störungsmelder on tour gemeinsam mit dem Regisseur Burhan Qurbani am 19. März 2018 einen 2-stündigen Workshop gestalten könne.

 

Dem Workshop ging Burhan Qurbanis Film „Wir sind jung.
Wir sind stark.“
voraus. Sein prämiertes Werk, das 2015 drei Nominierungen für den Deutschen Filmpreis erhielt,  setzt am Beispiel einer Gruppe Jugendlicher die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992 in Szene. Vor allem werden die verhängnisvollen Nächte der Belagerung des sogenannten Sonnenblumenhauses, das vietnamesische Vertragsarbeiter bewohnten, beleuchtet.

 

Bemerkenswert war der Mut von mehr als 30 Schüler*innen, darunter zwei Schüler aus einer Willkommensklasse und zwei Schüler*innen aus einer BQL- Klasse, sich den im Film gezeigten harten Tatsachen zu stellen. Wie erschütternd die Bilder waren, zeigte auch, dass ein Teilnehmer die Filmvorführung verlassen musste, weil er den Hass und die Menschenverachtung der Jugendlichen im Film nicht zu ertragen vermochte.

Nach der Rezeption des Films startete  unter Leitung von Isabell Slisz und Dana Fuchs, die das Projekt deutschlandweit betreuen, die gemeinsame Diskussion. Zunächst stellte sich Burhan Qurbani den Schüler*innen vor. Er sprach über den Zusammenhang zwischen seiner Biografie und seinen Motiven für die Produktion des Films. Das waren emotionale Minuten.

 

Im anschließenden Gespräch wurde  unter anderem nach Antworten auf folgende mit dem Film verbundene Fragen gesucht:

  • Welche Motive und Ursachen haben zu den brutalen Ausschreitungen geführt?
  • Welche Rolle spielten dabei Fremdenfeindlichkeit und  Rassismus?
  • Welchen Einfluss hatten die Dynamik und Rollenverteilung innerhalb der Gruppe?
  • Gab es Möglichkeiten zur Deeskalation?

Gemeinsam wurde aber auch nach Parallelen zur gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation und zum Alltag der Schüler*innen gefragt.

Einige Teilnehmer*innen bereicherten mit ihren Beiträgen die insgesamt aufmerksame Diskussion. So wurde festgestellt, dass es auch aktuell immer wieder zu diskriminierenden Situationen und gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Im großen politischen Leben, aber auch alltäglich im Kleinen. Oft ist es nur ein geringer Anlass, ein einziges Wort, die eskalierend wirken können - aufgrund des Verhaltens einzelner und der sich daraus ergebenden Dynamik in der Gruppe. Es wurde aber auch klar betont, dass ebenso ein kleiner Schritt gegen solche Ausschreitungen ein wichtiges Zeichen der Hilfe sein kann.  Es bedarf dafür jedoch des gemeinsamen Mutes – Gesicht zu zeigen.

Mit diesen Gedanken verließen die Schüler*innen eine bewegende Veranstaltung. Dafür gilt Störungsmelder unser Dank.

Das SOR- Team

April 2018 - Text und Foto: M. Bergholz