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Inwiefern widersprachen die Amazonen dem Idealtypen der Frau in der Antike?

»Skulptur Amazone«

Die Skulptur bildet eine Amazone ab, die aus Marmor besteht und 183 cm groß ist. Die Skulptur ist eine Marmorkopie nach einem griechischen Bronzeoriginal des Bildhauers Polyklet. In der Antike kam es zu einem Wettbewerb der berühmtesten Bildhauer dieser Zeit, um die Darstellung einer verwundeten Amazone zu visualisieren. Polyklets Werk wurde als bestes ernannt und wurde zu einem der berühmtesten Meisterwerke. Die Amazone ist verwundet. Die Stelle, an der sie verletzt wurde, ist unter dem erhobenen rechten Arm neben ihrer Brust zu erkennen, unterhalb der Wunde sind einzelne Blutstropfen abgebildet. Mit dem liken Arm stützt sie sich auf einem Pfeiler ab. Sie ist waffenlos und barfuß, ihre Haltung drückt Erschöpfung aus. Sie hat den Kopf zur verletzten Körperseite hingeneigt und den erhobenen Arm auf den Kopf gelegt. Trotzt fehlender Waffen ist sie als Amazone zu erkennen, da sie das dünne Gewand wie ein Krieger trug, um beim Kampf Bewegungsfreiheit zu haben. Unterhalb des linken Knöchels ist noch der Rest eines Bandes zu erkennen, welches darauf hinweist, dass die Amazone eine Reiterin war.

 

In der griechischen und römischen Antike waren die Rollen der Frauen und Männer klar bestimmt: der Mann auf dem Feld, im Krieg und in der Politik und die Frau im Haus. Die Frauen hatten im alten Rom mehr Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, welches im antiken Griechenland nicht der Fall war. Jedoch hatten sie trotzdem wenig Rechte, konnten also weder Vormund, noch Bürger sein, noch politische oder öffentliche Ämter wahrnehmen. Bei den Amazonen sehen wir eine emanzipierte Frau, die sich gleich mit den Männern sah und auch in den Krieg mitzog. Das Leben von Amazonen unterschied sich stark vom Leben der klassischen Frau in der Antike. Die Amazonen verbrachten ihre Zeit abgeschieden und gingen ihrer Tätigkeit nach. Sie weideten ihre Herde und zogen ihre Pferde auf. Die Tapferen unter ihnen beschäftigten sich mit der Jagd nach Pferden und übten ihre Kriegskünste. Außerdem vereinten sie sich nur einmal im Jahr mit einem Mann und zwar im Frühling, allein mit dem Ziel ihre Rasse erhalten zu können. Die weiblichen Säuglinge behielten sie für sich und gaben die Jungen fort. Die Frauen in der Antike jedoch verbrachten ihren Alltag meist zuhause mit ihren Sklavinnen (wenn sie frei waren) und kümmerten sich um den Haushalt und um die Erziehung der Kinder. Die Amazonen sind jedoch ein Mythos und eine Sage.

 

Die Skulptur wurde angefertigt, um zu verdeutlichen, dass Frauen und Männer gleich zu stellen sind. Frauen sollten das Recht haben, ihr Leben selbst eine Richtung zu geben, da sie genau so intelligent sind wie Männer. Außerdem hatten auch viele Frauen die Kraft und den Willen, in den Krieg zu ziehen. Die Stellung der Frau in der Antike ist durch ihre soziale Abhängigkeit eingeschränkt, welches bei den Amazonen nicht der Fall war. Sie sind frei. Sie können selbst entscheiden, wie sie leben möchten und aus diesem Grund nahmen viele Frauen in der Antike die Amazonen als Vorbild.

18.12.2017 - Text und Foto: Eric Espenschied (Abt. 2)