Suhrkamp. Ein traditionsreicher Name, der wohl selbst so manchem Nicht-Buchhändler Ehrfurcht einflößt. Da es sich am Montag unseres Besuchs bei dem Berliner Verlag aber um den letzten Schultag vor den Sommerferien handelte, war die allgemeine Stimmung gelöst – und Klassenlehrerin Frau Huß verbreitet (nicht nur) zu solchen Gelegenheiten ja auch ganz gerne mal etwas gute Laune. So gestaltete sich schon die Hinfahrt von der Schule spannend: ein Kopf-an-Kopf-Rennen zweier Gruppen mit dem Zweck, die schnellere Verkehrsverbindung zum Zielort zu ermitteln, endete in einem Fotofinish, und so erreichten wir etwas überpünktlich den überraschend unscheinbaren Sitz des 1950 gegründeten Traditionshauses Suhrkamp in der prenzlauerbergischen Pappelallee. Dort empfing man uns herzlich und geleitete die doch recht große Gruppe in den Sitzungsraum, wo Getränke und Kekse schon bereitstanden. Schließlich kennt man Frau Huß und ihre angehenden Buchhändler im Verlag längst: zum fünften Mal innerhalb von acht Jahren war nun bereits eine Klasse mit Auszubildenden aus dem ersten und zweiten Lehrjahr zu Besuch.

In dem hellen, großzügigen Raum finden normalerweise Lektoratsversammlungen, Marketing- und Vertretersitzungen statt, erklärte Lektor Winfried Hörning, Leiter der Taschenbuchabteilung, der Raum sei somit ein „Teil der Suhrkamp-Geschichte“. Die umfasst bis heute rund 17.000 veröffentlichte Bücher und begann mit „Patriarch“ Siegfried Unseld und – wie wir später erfuhren – Bertolt Brecht, der von Anfang an als Autor beim Verlag an Bord war.

Suhrkamp verstehe sich trotz seiner relativen Größe noch immer als Autorenverlag, bekräftigte Herr Hörning. Das Verlagscredo, man wolle keine Bücher veröffentlichen, sondern man veröffentliche Autoren, illustrierte der Lektor anhand zahlreicher interessanter wie unterhaltsamer Anekdoten aus dem Verlagsalltag und der fast siebzigjährigen Geschichte des Hauses. Dass die anvisierte Veröffentlichung der „Gesamtphysiognomie“ eines Autors den Verlag des Öfteren vor Herausforderungen stellt, machte dabei vor allem ein amüsanter Briefwechsel des Verlegers Siegfried Unseld mit dem österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard deutlich, in dem sich Letzterer partout nicht von seiner aus Sicht des Verlages unglücklichen Titelwahl für seinen neuesten Roman abbringen lassen wollte.

Und auch sonst ist die Arbeit im Verlag bzw. im Lektorat nicht immer einfach: 40 bis 50 unverlangt eingesandte Manuskripte erreichen Suhrkamp täglich und werden tatsächlich alle auf der Grundlage von Exposés und Textproben geprüft. Dass ein unverlangtes Manuskript angenommen wurde, habe er selbst in den letzten Jahren allerdings nur zwei bis drei Mal erlebt, so Herr Hörning, der seit 1995 bei Suhrkamp arbeitet. Klingt zunächst entmutigend, aber: „Gute Bücher suchen sich ihren Weg.“ Diese Weisheit verdeutlichte Herr Hörning anhand des Beispiels von Umberto Ecos Roman Der Name der Rose – ein langanhaltender und einflussreicher Welterfolg, dessen deutsche Version leider nicht bei Suhrkamp erscheinen konnte, da der Verlag nicht an einem Bieterwettstreit um ‘seinen’ Autor teilnehmen wollte. Der italienische Gelehrte war zuvor bereits mit zwei wissenschaftlichen Werken bei Suhrkamp vertreten gewesen.

Im Anschluss an Herrn Hörnings lehrreiche Einführung berichtete Verkaufsleiter Alexander Nedo von der nicht minder anspruchsvollen Aufgabe der Vertriebsabteilung, die Bücher des Verlages „sichtbar“ zu machen. Gar nicht mal so einfach bei der stetig wachsenden Titelflut – allein im Bereich Belletristik gibt es derzeit 80- bis 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr. Frau Huß ließ sich unterdessen die Gelegenheit nicht entgehen, mit Herrn Nedo verschiedene Vertriebsmodelle zu diskutieren. Sei nicht etwa ein Kommissionsmodell viel günstiger für kleinere Buchhandlungen? Diese These konnte Herr Nedo zwar nicht ganz abstreiten, für den Verlag sei dieses Modell jedoch mit zu viel Verwaltungsaufwand verbunden, und im Buchhandel seien schließlich im Vergleich zu anderen Branchen ohnehin sehr großzügige Konditionen beim Einkauf (Valuten, langjähriges Remissionsrecht, etc.) üblich.

Als nächstes stellte Ute Fahlenbock auf sehr sympathische Art „Highlights“ aus der Herstellung vor, nachdem wir die „Basics“ erst wenige Monate zuvor bei unserem zweitägigen Praxisseminar erfahren hatten. Die Herstellerin sprach anhand einiger Beispielbücher fachkundig und mit spürbarer Leidenschaft von verlagsüblichen Ausstattungsarten, von Druck, Bindung und dem „Aufschlagverhalten“ von Büchern. Suhrkamp lasse als einer weniger Verlage seine Bücher noch fast ausschließlich in Deutschland drucken, so Frau Fahlenbock – aufgrund der steigenden Preise würden insbesondere vierfarbige Titel bei den meisten Verlagen mittlerweile im Ausland produziert. Auch das verlagsseitig etwas zwiespältig betrachtete Thema Print on Demand wurde angeschnitten; zwiespältig deshalb, weil aufgrund der technischen Möglichkeiten die Suhrkamp’schen Qualitätsstandards bei der Herstellung mit diesem Verfahren leider noch nicht ganz erreicht werden können. Dennoch mache die große Backlist und der Anspruch, einen größtmöglichen Anteil des Gesamtwerks der Autoren lieferbar zu halten, Print on Demand erforderlich. So sind auf diese Art heute immerhin rund 1600 Titel noch oder wieder erhältlich, viele davon bis zu 40 Jahre alt.

Den Abschluss der informativen Verlagsrunde bildete Petra Hardt, seit stolzen 37 Jahren in der Verlagsbranche und davon 23 Jahre bei Suhrkamp tätig, die patent und dynamisch über die Arbeit ihrer Abteilung referierte: Rechte und Lizenzen. Die Veröffentlichung von Büchern bedarf einer vertraglichen Grundlage, aus der sich der Rechtebestand eines Verlages ergibt, und der von Suhrkamp sei einer der größten im deutschsprachigen Raum. Wie ihre Vorredner stellte auch Frau Hardt die besondere Rolle des Autors im Lizenz- und Rechtegeschäft heraus: „Keine Lizenz ohne Rückkopplung an den Autor!“ Aber auch Beziehungen innerhalb der Buchbranche seien dabei von höchster Wichtigkeit, weshalb Suhrkamp verschiedene Verlagspartnerschaften unterhält: mit den französischen Kollegen von Gallimard etwa teile man sich 60 Autoren – darunter Derrida und Foucault, zwei der großen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Als „Hauptumschlagplatz“ für Rechte und Lizenzen in der Buchbranche durfte zudem natürlich auch die Frankfurter Buchmesse nicht unerwähnt bleiben. Insgesamt stellte Frau Hardt ihren Tätigkeitsbereich als sehr komplexes, aber zweifellos auch sehr spannendes Themenfeld dar.

Mindestens ebenso spannend waren für uns dann noch die in fein säuberlichen Stapeln aufgereihten Leseexemplare, bei denen wir uns zum Abschluss ausgiebig bedienen durften. Schließlich sollte beim alljährlichen Verlagsbesuch keiner der Gäste leer ausgehen.

Die Buchhandelsklasse 2641 dankt für den freundlichen Empfang und den ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Einblick in die Suhrkamp-Welt – und Frau Huß freut sich sicher schon aufs nächste Mal!

23.09.2017 – Text und Foto: Julian Riedel, Klasse 2641

Als nächstes stellte Ute Fahlenbock auf sehr sympathische Art „Highlights“ aus der Herstellung vor, nachdem wir die „Basics“ erst wenige Monate zuvor bei unserem zweitägigen Praxisseminar erfahren hatten. Die Herstellerin sprach anhand einiger Beispielbücher fachkundig und mit spürbarer Leidenschaft von verlagsüblichen Ausstattungsarten, von Druck, Bindung und dem „Aufschlagverhalten“ von Büchern. Suhrkamp lasse als einer weniger Verlage seine Bücher noch fast ausschließlich in Deutschland drucken, so Frau Fahlenbock – aufgrund der steigenden Preise würden insbesondere vierfarbige Titel bei den meisten Verlagen mittlerweile im Ausland produziert. Auch das verlagsseitig etwas zwiespältig betrachtete Thema Print on Demand wurde angeschnitten; zwiespältig deshalb, weil aufgrund der technischen Möglichkeiten die Suhrkamp’schen Qualitätsstandards bei der Herstellung mit diesem Verfahren leider noch nicht ganz erreicht werden können. Dennoch mache die große Backlist und der Anspruch, einen größtmöglichen Anteil des Gesamtwerks der Autoren lieferbar zu halten, Print on Demand erforderlich. So sind auf diese Art heute immerhin rund 1600 Titel noch oder wieder erhältlich, viele davon bis zu 40 Jahre alt.

Den Abschluss der informativen Verlagsrunde bildete Petra Hardt, seit stolzen 37 Jahren in der Verlagsbranche und davon 23 Jahre bei Suhrkamp tätig, die patent und dynamisch über die Arbeit ihrer Abteilung referierte: Rechte und Lizenzen. Die Veröffentlichung von Büchern bedarf einer vertraglichen Grundlage, aus der sich der Rechtebestand eines Verlages ergibt, und der von Suhrkamp sei einer der größten im deutschsprachigen Raum. Wie ihre Vorredner stellte auch Frau Hardt die besondere Rolle des Autors im Lizenz- und Rechtegeschäft heraus: „Keine Lizenz ohne Rückkopplung an den Autor!“ Aber auch Beziehungen innerhalb der Buchbranche seien dabei von höchster Wichtigkeit, weshalb Suhrkamp verschiedene Verlagspartnerschaften unterhält: mit den französischen Kollegen von Gallimard etwa teile man sich 60 Autoren – darunter Derrida und Foucault, zwei der großen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Als „Hauptumschlagplatz“ für Rechte und Lizenzen in der Buchbranche durfte zudem natürlich auch die Frankfurter Buchmesse nicht unerwähnt bleiben. Insgesamt stellte Frau Hardt ihren Tätigkeitsbereich als sehr komplexes, aber zweifellos auch sehr spannendes Themenfeld dar.

Mindestens ebenso spannend waren für uns dann noch die in fein säuberlichen Stapeln aufgereihten Leseexemplare, bei denen wir uns zum Abschluss ausgiebig bedienen durften. Schließlich sollte beim alljährlichen Verlagsbesuch keiner der Gäste leer ausgehen.

Die Buchhandelsklasse 2641 dankt für den freundlichen Empfang und den ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Einblick in die Suhrkamp-Welt – und Frau Huß freut sich sicher schon aufs nächste Mal!

23.09.2017 – Text und Foto: Julian Riedel, Klasse 2641